wien.welt.offen Talk: Wir schaffen das: Integrationspolitik in Deutschland

Im November 2019 startete die Veranstaltungsreihe „wien.welt.offen Talks“ der Stadt Wien in der ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis gemeinsam mit dem Publikum über innovative Wege von Integration, Teilhabe und Stadtentwicklung diskutieren können.

Den Anfang machte die deutsche Migrationsexpertin Petra Bendel mit ihrem Vortrag „Wir schaffen das: Integrationspolitik in Deutschland“. Sie thematisierte gemeinsam mit dem Wiener Politologen Oliver Gruber und Norbert Bichl vom Wiener Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen österreichische und deutsche Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Empfehlungen für eine nachhaltige Integrationspolitik. „Integration ist nicht einfach, es braucht Anstrengungen, aber diese machen sich bezahlt“, sagte Integrationsstadtrat Jürgen Czernohorszky bei der Eröffnung der neuen Reihe, die eine sachliche und lösungsorientierte Auseinandersetzung mit Themen wie Integration und Teilhabe fördern soll.

Integration eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft „Integration kann nur erfolgreich sein, wenn sich die ganze Gesellschaft weiterentwickelt. Denn Integration ist die chancengleiche Teilhabe aller Personen – unabhängig von ihrem Migrationshintergrund – an den zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens“, definierte Petra Bendel den Begriff Integration in ihrem Vortrag. Ausgehen von Integration als gesellschaftliche Gesamtleistung empfiehlt Bendel deshalb Integration in allen Regelangeboten mitzudenken.

Österreich und Deutschland im Vergleich

Die vergleichbaren Ausgangsbedingungen von Österreich und Deutschland machen die beiden Länder laut Bendel zu „lebendigen Laboratorien“. Beide Länder waren beispielsweise ähnlich erfolgreich bei der Integration von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt. In Österreich sowie in Deutschland waren nach drei Jahren über ein Drittel der geflüchteten Menschen in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis. „Die Arbeitsmarkintegration ist besser gelaufen als erwartet“, sagte Bendel.
Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland stellten die Wissenschaftlerin bei der Wertediskussion fest: „Integration war in Deutschland von Anfang an Arbeitsmarktintegration. Die Vermittlung von Werten hatte eine Nebenrolle.“ Im Gegensatz dazu ist die Wertediskussion in Österreich seit vielen Jahren ein zentrales Thema. Aus Sicht des Wiener Politikwissenschaftlers Oliver Gruber wurde diese Debatte in den letzten zwei Jahren aber noch weiter angeheizt: „Die einstige Erzählung einer ‚Integration durch Leistung‘ trat in den Hintergrund und es entwickelte sich eine zunehmend kulturalisierte Diskussion rund um Wertekurse, Kopftuchverbot, Deutschförderklassen oder politischen Islam.“

Rolle der Städte und Gemeinden

Wer nicht EU BürgerIn ist und in Österreich bleiben will, muss Deutsch lernen, gleiches gilt für Deutschland. Die Kosten für die erforderlichen Deutschkurse müssen die meisten Zugewanderten selbst tragen. „Bei unzureichend staatlich finanzierten Integrationsmaßnahmen wie Deutschkurse springen oft Städte in die Bresche“, sagte Norbert Bichl vom Wiener Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen. Bichl verweist dabei als Beispiel auf den StartWien-Bildungspass, ein seit 2008 bestehendes Gutscheinsystem für Deutschkurse der Stadt Wien. „Ich setze sehr stark auf die Städte und Gemeinden, sie haben und können noch viel positives bewirken“, sagte Bendel in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum.